Ärzte sind keine Bewegungsberater!

Die segensreiche Wirkung von körperlicher Aktivität auf unseren Gesundheitszustand ist bekannt. Sie gilt als entscheidender Faktor sowohl in Therapie als auch in Prävention. So können 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche das Risiko zur Entstehung von Herzkreislauferkrankungen um 35% und von Typ-2-Diabetes um 30-40% reduzieren. Genauso positiv wird die Entstehung von psychischen Erkrankungen, die Knochengesundheit und das Krebsrisiko beeinflusst.

Abseits von chronischen Erkrankungen und Sterblichkeitswahrscheinlichkeiten steigert körperliche Aktivität unsere Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden.

Eine erfolgreiche Gesundheitsförderung der Bevölkerung funktioniert also nicht ohne die Steigerung der Bewegungsumfänge der Menschen. Der Ärzteschaft kommt dabei eine zentrale Rolle zu, ist sie doch für die meisten Menschen Hauptansprechpartner in Gesundheitsfragen. Eine Beratung in die Richtung „aktiver Lebensstil“ wäre hier wünschenswert, wenn nicht sogar dringend notwendig.

Ärzte bringen die Leute nicht in Bewegung

Das Robert-Koch-Institut Berlin und die Universität Rostock legten Anfang des Jahres eine Studie zur ärztlichen Bewegungsberatung vor, die ein anderes, ein alarmierendes Bild der Realität aufzeigt:

„Die Beratungsprävalenz zur Aufnahme körperlich-sportlicher Aktivität nahm in einem Zehnjahreszeitraum … signifikant ab.“

Da die Beratungsleistung im ländlichen Raum im Vergleich zu Städten seltener in die Richtung Sport und Bewegung ging stellen die Autoren die Vermutung an, dass dies mit der schlechteren Erreichbarkeit von Gesundheitssportangeboten in ländlichen Regionen zu tun hat.

Ich sehe eine Beratungsleistung hinsichtlich einer bewegungsorientierten Lebensstil-Intervention als einen umfassenden Prozess, der ein Mindestmaß an Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Sie sollte meiner Meinung nach weit über die Nennung des nächsten „Gesundheits-Kurses“ im Sportverein hinausgehen.

Meine Vermutung:

– die unter einem gewissen Kostendruck stehenden Praxen haben keine abrechenbare Zeit zur adäquaten Beratung ihrer Patienten zur Verfügung,

– die Ärzte/-innen verfügen nicht über das nötige Wissen bzgl. Bewegung und Training,

– der Status „Arzt“ und „Patient“ macht von Anfang an klar, dass auf der einen Seite ein Leiden vorliegt, für das es eine schnelle, im besten Fall mit geringem Aufwand verbundene Lösung gibt, sprich Medikament.

Bewegung, Training und Ernährung gehen in aller Regel nicht schnell und sind für den Ratsuchenden herausfordernd, da sie in aller Regel mit dem Verlassen der eigenen Komfortzone einhergehen.

Der Fitness-Trainer als Lebensstil-Berater?

Die Frage ist nun, wer denn die Rolle des Gesundheitsberaters einnimmt, wenn es die Ärzteschaft nicht ist? An wen könnte die Medizin diese Aufgabe „outsourcen“? In der Ärztezeitung rät Eginhard Kieß, Inhaber des renommierten PREMIUM PERSONAL TRAINER CLUB, dass Ärzte mit Fitnessstudios und Personal Trainern kooperieren sollten.

Ein guter Ansatz, wenn denn auch die Qualität in den Studios stimmt.

Die Stiftung Warentest kam 2014 in einem Test von Fitnessstudios zu dem Ergebnis, dass die Ausstattung in aller Regel gut ist, die Kompetenz des Personals und damit die Organisation und Beratung eher mangelhaft sind.

Die Welt titelt am 29. April 2016 gar: „Die gefährliche Planlosigkeit in deutschen Fitnessstudios“, und kritisiert damit die Überforderung der Kunden durch die Ahnungslosigkeit der Trainer und deren undurchsichtige Ausbildungslandschaft. Ein schicker Gerätepark und bunte Ausdrucke beim Eingangs-Check sagen nichts über die Qualität des Personals aus. Und genau auf die kommt es an, wenn das Thema „Sport und Bewegung“ erfolgreich, sicher, mit Freude und nachhaltig angegangen werden soll.

Die Anforderungen an Personal Trainer, die durch die verschiedensten Ausbildungs-Institute „zertifiziert“ auf den Markt entlassen werden, sind mindestens genauso hoch anzusetzen. Zur Kompetenz zählt nicht nur die exzellente und permanent wachsende fachliche Ebene, sondern auch der Trainer als Gesamtperson: emotional, emphatisch, didaktisch, intellektuell.

Eine Mischung, die nicht an drei Wochenendkursen vermittelt werden kann.

Im Gegensatz zum Arzt haben wir als Personal Trainer einen unschätzbaren Vorteil: Zeit. In aller Regel sehen wir unsere Klienten/-innen mindestens wöchentlich, kennen sie über einen längeren Zeitraum, haben die Chance, sie wirklich kennenzulernen, zum Teil sogar an ihrem Leben teilzuhaben.

Wir können den Menschen wirklich helfen. Wenn wir als Personal Trainer zuhören, nicht nur „Sender“ von Informationen und Trainingsanweisungen sind, sondern „Empfänger“ von Worten, Gesten und Stimmungen. Wenn wir einfach zuhören.

Im TRAININGSDECK Personal Training tun wir das. Erzählen sie uns Ihre Geschichte und Wünsche.